tom writes "In der russischen Gesellschaft spielt der Sport eine große Rolle. Er dient zur Entspannung und als Ausgleich für den Arbeitsalltag. Auf vielen Gebieten des Leistungssports findet man russische Sportler in der Weltspitze.
Die liegt darin begründet, daß die ehemalige Sowjetunion auf allen Ebenen eine konzentrierte Talentsuche und Sportförderung betrieben hat. In den "Kaderschmieden" wurde eine harte Auslese der sportlichen Elite getroffen - vor allem aus politischen Gründen.Auf der einen Seite dienten die Leistungssportler als dem Staat, der die sportlichen Überlegenheit auf vielen Gebieten propagantistisch auf eine vermeintliche Systemüberlegenheit übertragen wissen wollte. Auf der anderen Seite wurden vor allem im Sport individuelle Leistungen anerkannt und durch materielle Anreize oder Privilegien in Bezug auf Wohnungssuche und Reisefreiheit gefördert.
Mit dem Zerfall der Sowjetunion und dem Entstehen verschiedener Staaten und politischer Strukturen finden nun auch im Sport Neu- und Umstrukturierungen statt. Das Interesse am Sport hat aber Bestand, die Vorlieben der Russen für bestimmte Sportarten sind nicht der politischen Entwicklung unterworfen. Traditionell beliebt, wohl auch klimabedingt, sind die Wintersportarten Eislauf, Eiskunstlauf und Eishokey. Im Winter tummeln sich Tausende von Freizeit-Eisläufern auf zugefrorenen Seen und Flüssen. Fast jeder russische Junge greift zum Eishokeyschläger, und es werden regelrechte Stadtteil- oder Dorfmeisterschaften ausgetragen, bei denen eine Straße gegen die andere spielt.
Das schier unerschöpfliche Reservoir an Spielern erklärt, neben der zentralen Konzentration im Armeesportklub in Moskau, die Vormachtstellung sowjetischer und russischer Mannschaften bei internationalen Wettbewerben. Sehr populär sind weiterhin Ringen, Gewichtheben, Turnen und rythmische Sportgymnastik. Von den Ballsportarten sind Volley-, Basket- und Fußball äußerst verbreitet, wenn auch beim Fußball erst seit 1936 nationale Meisterschaften ausgetragen werden, so hat doch diese Sportart zwischenzeitlich ein sehr hohes Niveau erreicht. Dies wird besonders dadurch deutlich, daß man zwischenzeitlich russische Fußballspieler auch in Ligas außerhalb Rußlands wie z.B. der deutschen Bundesliga spielen sehen kann.
Einen besonderen Stellenwert hat allerdings ein Spiel, das für manchen Laien zunächst nichts mit Sport zu hat: Schach! Als Turniersport wird es als einziges Brettspiel international dem Sport zugeordnet. Es wird in Rußland von jun g und alt mit Begeisterung gespielt. Wenn Jugendliche sich kennenlernen, wollen sie oft zuerst voneinander wissen, ob der andere das Schachspiel beherrscht. Wer diese Frage verneinend beantwortet muß mit einer "gerümpften Nase" rechnen. Die Stellung des Schachspiels als Volkssport trug dazu bei, daß seit 1937 mit nur einer Ausnahme (Fisher, USA) die Russen alle Weltmeister stellten und Namen wie Spasskij, Karpow und Kasparow auch den nicht Schachkundigen ein Begriff sind.
"